Polizeigewalt, Stutgart21 und ja ja, ich weiß schon
Posted: Oktober 1st, 2010 | Author: Tobias | Filed under: Auf dem Rummel, Seelsorge | Tags: polizeigewalt, stuttgart21 | 2 Comments »Folgendes Video, welches auf twitter gerade die Runde macht, habe ich mir mittlerweile bestimmt zehnmal angesehen:
Ich versuche es einmal aus einem neutralen Standpunkt zu schildern und wirklich nur das zu verarbeiten, was in diesem Video zu sehen ist.
Fehlverhalten kann ich dort bei nur zwei Polizisten unmittelbar erkennen: und zwar bei dem Herren mit der fleischfarbenen Badekappe gleich zu beginn. Einsatz eines Schlagstocks ist zwar zum Selbstschutz legitim, allerdings hatte er noch ausreichend Kollegen, die sich um ihn herum bewegten und die kamen auch ohne ihren Prügel aus. Aber wie man in dieser Situation zugeben muss, wurde die Gruppe der Polizisten zu diesem Zeitpunkt von einigen Demonstranten bedrängt.
Der zweite Stein des Anstoß ist ab Sekunde 00:50 zu sehen: Eine Gruppe sich zurückziehender Polizisten wird ebenfalls von nachrückenden Demonstranten bedrängt. Während einige seiner Kollegen Pfefferspray nur mäßig gezielt als Warnung in Richtung skandierender Menge spritzen, richtete er eine volle Konzentration Pfefferspray auf einen eher Unbeteiligten, der völlig allein und ohne erkennbare Waffen von der Gruppe der Beamten stand.
Okay, Fragwürdig erscheint der Einsatz des Wasserwerfers. Zumindest in dem Abschnitt, der im Video zu sehen ist. Von einer Gefahrenlage der Beamten ist dort eigentlich nichts zu erkennen.
Kein Fehlverhalten kann ich bei der im Video gezeigten Räumung des Materialwagens erkennen.
Offen bleibt, was die Ursache für den am Boden liegenden Demonstranten ist; zu sehen ab ca. Minute 3:00. im Video hörbare Kommentare umherstehender Demonstranten machen die Polizei dafür Verantwortlich, was wohl auch naheliegt. Allerdings ist das vorhergehende Geschehen im Video nicht zu sehen.
Tags: polizeigewalt, stuttgart21
Es ist natürlich schwer aus der Ferne und aus Videoschnipseln eine Meinung zu bilden — aber da ja auch unser Freund und Helfer kräftig mitfilmt können wir sicher sein dass die Kollegen, die sich danebenbenommen haben ganz arge Schwierigkeiten bekommen werden
Im Ernst — ich bin froh über jeden der die Kamera dabei hat und die Geschehnisse dokumentiert. Dass dabei in der Regel keine belastbaren Beweise o.ä. entstehen müssen wir hinnehmen, auch dass manche die entstanden Aufnahmen manipulieren und zur Aufstachelung mißbrauchen — all das nehme ich aber in Kauf für ein kleines bisschen Transparenz und Öffentlichkeit.
ps. man sieht immerhin gut den vermummten schwarzen Block
pps. ja, auch ich nehme heute abend die Kamera, Fotoapparat und Smartphone mit. Ich will sie weiß Gott nicht brauchen müssen, aber seit gestern habe ich irgendwie ein dummes Gefühl
Aus der Ferne — das trifft es wohl. Das Problem an der Sache: Mit dem gleichen Video-Rohmaterial lässt sich (unabhängig davon, wer es aufgezeichnet hat) die Geschichte nach Gutdünken in eine beliebige Richtung drehen. Man muss es nur richtig schneiden.
Ich würde mir wünschen, dass es die kommenden Tage friedlich bleibt und es nicht zur Eskalation kommt.